Schön, dass Sie sich für dieses Thema interessieren. Gerne gebe ich Ihnen ein paar Informationen und Tipps zum Thema Kinderfüße. Es freut mich vor allem deshalb, weil die Kontrolle und richtige Pflege der Kinderfüße wichtig ist. Manches Problem im Erwachsenenalter könnte vermieden werden, wenn den Füßen im Baby- und Kindesalter mehr Beachtung geschenkt worden wäre. Probleme mit Hüften, Knien, Wirbelsäule können Ihre Ursache bei den Füßen haben.

 

Im ersten Lebensjahr wachsen die Füße sehr schnell. Bereits die Hälfte der endgültigen Größe wird erreicht. In dieser Zeit entwickeln sich die Füße vom Greiforgan zum stützenden Bewegungsorgan. Die Zehen eines Babys sind in den ersten Monaten genauso geschickt wie die Finger – erkennbar am Greifreflex bei Berührung. Mit 5-6 Monaten entdeckt das Kind seine Füße. Mit ca. dem 6. Lebensjahr ist die Fußentwicklung abgeschlossen.

 

Sie denken, Ihr Kind hat Plattfüße, weil die Fußsohlen ganz flach wirken? Wahrscheinlich täuschen Sie sich. Meist wird das Fußgewölbe bei Kleinkindern durch ein Fettpolster ausgefüllt.

 

Die O-Beine eines Neugeborenen strecken sich bald. Die Beine entwickeln sich normal, wenn die Eltern darauf achten, dass sich das Kind beim Laufen lernen nicht überanstrengt.

 

Krabbeln, Rutschen, Kriechen sind wichtig – Muskeln und Knochen werden gekräftigt und auf das Laufen vorbereitet. Die Mineralisation des Fußskeletts wird gestärkt.

 

Die Nägel brechen im ersten Lebensjahr von selbst ab. Scharfe Kanten werden gefeilt. Zusätzliches Kürzen ist nicht erforderlich. So vermeiden Sie Infektionen. Später Nägel lieber feilen als schneiden und nur im trockenen Zustand kürzen. Der Nagel saugt sich beim Baden voll Wasser, zieht sich also später wieder zusammen. Wird er direkt nach dem Baden geschnitten können nach dem Trocknen Verletzungen entstehen und Keime oder Bakterien haben erleichterten Zugang.

 

Säuglinge bilden in der Regel keinen Schweiß. Wenn doch, dann sollte ein Arzt konsultiert werden, es könnte eine entzündliche Erkrankung vorliegen. Sollten größere Kinder Schweißfuß haben empfehlen sich Zehensocken – Kinder finden sie super.

 

Übrigens: Die Füße eines Kleinkindes leiden beim langen Stehen, vermeiden Sie das möglichst.

 

Babys benötigen keine Schuhe, erst beim Laufen. Bis dahin engen Schuhe nur ein.

 

Hausschuhe sind überflüssig. Lassen Sie das Kind lieber barfuß oder verwenden Sie, z.B. bei kalten oder glatten Böden, Anti-Rutsch-Socken. So wird der Fuß nicht eingeengt und die Muskulatur wird gestärkt.

 

Weitere Empfehlungen

 

  • Babyfüße genau anschauen – bei Unsicherheit den Arzt ansprechen

  • Babyfüße nicht einengen – nur locker zudecken

  • Beine und Füße bewegen. Das Training ist die Vorbereitung darauf, das Körpergewicht einmal zu tragen

  • Ohne Schuhe laufen lernen

  • Schuhe nicht unter Geschwistern „vererben“

  • Darauf achten, dass die Schuhe gut passen

  • Gang des Kindes beobachten – werden Zehen nach innen oder außen gedreht? Streifen Knie aneinander? Konsultieren Sie den Profi.

  • Barfuß laufen kräftigt nicht nur die Muskulatur, es sorgt für eine natürliche Massage – besonders im Sand, in Gras, über kleine Steine – die Reflexzonen werden angesprochen, was Entspannung und Durchblutung fördert

  • Spaziergänge auf Waldboden sind toll

  • Kind früh an Fußhygiene gewöhnen – Schuhe lüften, Socken täglich wechseln, Füße gründlich abtrocknen, vor allem zwischen den Zehen – so wird es so selbstverständlich wie Hände waschen oder Zähne putzen

 

Was sollte eher vermieden werden?

 

  • Baby nicht zu lange auf dem Bauch liegen lassen

  • Das Kind nicht zum Laufen drängen, erst dazu animieren, wenn es selbst soweit ist und es möchte

  • Schuhe nicht barfuß anziehen – sowohl in preiswerten als auch in teuren Schuhen wurden krebserregende Farbstoffe und Chemikalien gefunden

  • Zehenzwischenräume nie cremen oder ölen, sie müssen trocken bleiben

  • „Gewaltmärsche“ sind nix für Kinderfüße

Tipps

 

  • Ihr Baby hat morgens trotz Decke und Strümpfe kalte Füße? Das ist normal. Der Kreislauf ist mehr mit wichtigen Organen in Bauch und Kopf beschäftigt.

  • Aber: zwischen den Schulterblättern sollte das Kind warm und trocken sein.

  • Der richtige Schuh ist weich, leicht, bequem, hat die richtige Größe (Umriss aufmalen, 1 Daumenbreite Puffer zugeben), hat einen flachen Absatz und eine elastische dünne Sohle

 

Übungen (am besten bei Kindern zwischen 6 und 8 Jahren)

 

  • Gleichgewichtsübung – Stehen auf den Zehen

  • Aufheben von Bleistiften, Stofftüchern o.ä. mit den Zehen

  • Weitwerfen von Kieselsteinen mit den Zehen

  • Tauziehen mit den Zehen

  • Auf einer Linie gehen

 

Spezielle Übungen für Kinder, bei denen bereits Fußdeformationen vorliegen erklärt Ihnen der Kinderarzt oder Orthopäde.

 

Resümee

 

Was Kinder instinktiv tun ist richtig – z.B. Schuhe und Strümpfe ausziehen. Schön, wenn Ihre Kinder die Füße als Basis für unbeschwerte Beweglichkeit und für Sinnesfreude empfinden. Unterstützen Sie sie dabei. Fußpflege beim Kind heißt:

 

BEOBACHTEN – NICHT ÜBERLASTEN – TRAINIEREN

 

und wie so oft: VORBEUGEN IST BESSER ALS HEILEN 

 

 

 

Ihre Gabriele Rein